Großer Ärger mit kleinen Jobs

Um Auftragsspitzen abzufedern, muss Unternehmerin Petra Krenn auf 400-Euro-Kräfte zurückgreifen. Der Verwaltungsaufwand für die Anmeldung der Mitarbeiter bei den Sozialversicherungen ist jedoch enorm.

Petra Krenn führt mit Dominique Paul die O/D – Druck Logistik Datenservice GmbH in Ottweiler im Saarland. Der Familienbetrieb, der schon seit drei Generationen besteht, bietet 100 Mitarbeitern einen festen Arbeitsplatz. Mit dieser Mannschaft kommt Krenn jedoch nicht immer aus. Sie hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt, und bietet heute Dienstleistungen an, die weit über den bloßen Druck hinausgehen – etwa die Konfektionierung.
Je nach Art der Aufträge schwankt die Auslastung in diesem Bereich sehr stark. In Spitzenzeiten benötigt Krenn daher dort viele weitere Kräfte. Deshalb beschäftigt sie zusätzlich zu ihren fest angestellten Mitarbeitern im Durchschnitt rund 60 Minijobber. „Das erlaubt uns, perfekt auf unterschiedliche Auslastungen zu reagieren“, sagt Krenn. Allerdings zahlt sie dafür einen hohen Preis. Denn den Mitarbeitern in ihrer Lohnbuchhaltung bereiten die Minijobs einen gewaltigen Verwaltungsaufwand.
Die Schwierigkeiten beginnen mit der Einstellung der Minijobber. Zunächst muss Krenn prüfen, ob der neue Mitarbeiter überhaupt 400 Euro verdienen darf. Bei manchen Hartz-IV-Empfängern ist das nicht der Fall. Doch selbst wenn aus sozialrechtlicher Sicht keine Einwände bestehen, ist die Mittelständlerin noch nicht aus dem Schneider. Denn sie muss auch darauf achten, dass ihre 400-Euro-Kräfte nicht mehreren Minijobs nachgehen und dabei mehr als 400 Euro verdienen. Die Nachweispflicht liegt in diesem Fall beim Arbeitgeber. Dieser muss bei der Einstellung überprüfen, dass der Minijobber die Verdienstgrenze tatsächlich nicht überschreitet.  „Mit vertretbarem Aufwand kann das kein Arbeitgeber sicherstellen“, ärgert sich Petra Krenn. Sie versucht das Problem zu lösen, indem ihr die Mitarbeiter per Unterschrift bestätigen müssen, dass sie nur bei O/D einem Minijob nachgehen. In einem Streitfall mit den Behörden wäre das Papier jedoch nicht viel wert. Denn wenn der Mitarbeiter trotz seiner Zusicherung weitere 400-Euro-Jobs hat und mehr verdient, haftet nicht der Arbeitnehmer sondern der Arbeitgeber. Und das wird teuer. Der ermäßigte pauschale Beitragssatz zu den Sozialversicherungen gilt in solchen Fällen nämlich nicht. Der Chef muss vollen Sozialversicherungs- und Lohnsteuerabgaben nachzahlen.
Auch die Anmeldung bei den Sozialversicherungen ist für Krenn ein Ärgernis. Sobald der Arbeitnehmer einen Monat nicht mehr beschäftigt war, geht der Verwaltungsaufwand bei einer Wiedereinstellung erneut los. „Wir müssen die Daten des Mitarbeiters jedes Mal neu erfassen und ihn immer wieder bei der Bundesknappschaft an- und abmelden. Das kostet Zeit.“
Die Unternehmerin ärgert sich auch darüber, dass sie der Staat bei der Verwaltung der Minijobs nicht unterstützt, obwohl er das könnte. „Wir müssen die Minijobs zwar bei den Sozialversicherungen anmelden, bekommen von diesen selbst aber keine Auskunft darüber, ob der Mitarbeiter gegebenenfalls noch einem weiteren geringfügigen Arbeitsverhältnis nachgeht.“ Hätten wir diese Informationen, würde uns das viel Arbeit ersparen.

(Markt und Mittelstand 07/2007)

 

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