„Das Saarland muss Pionierland in Sachen Familienfreundlichkeit werden“

Interview mit IHK-Vizepräsidentin Petra Krenn

 

 

Redaktion: Frau Krenn, IHK, HWK und VSU loben den Wettbewerb „Unternehmen Familie“ bereits zum dritten Mal aus. Welche konkreten Ziele verfolgen Sie damit?
Krenn: Mit unserem Wettbewerb wollen wir Unternehmen für vorbildliche, familienorientierte Personalpolitik auszeichnen. Vor allem aber wollen wir zur Nachahmung anregen. Denn Betriebe, die familienorientiert handeln, steigern ihre Attraktivität als Arbeitgeber und sind damit im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte besser gerüstet.


Redaktion: Warum ist das heute so wichtig?
Krenn: Wer kleine Kinder oder pflegebedürftige Angehörige hat und zugleich noch berufstätig ist, der weiß, welche immense Belastung mit dieser Doppelaufgabe verbunden ist. Dies umso mehr, als die Anforderungen in der Arbeitswelt vielfach gestiegen sind. Wir müssen deshalb alle Möglichkeiten ausschöpfen, Familie und Beruf besser miteinander vereinbar zu machen. Gerade auch hier im Saarland. Denn der demographische Wandel trifft unser Land früher und stärker als andere Regionen. Fachkräfte werden zunehmend knapp. Viele kleinere Unternehmen spüren das heute bereits deutlich. Und wir wissen: Der Fachkräftemangel wird zur Wachstumsbremse werden, wenn wir nicht energisch gegensteuern. Das größte Potential liegt darin, mehr Frauen für den Arbeitsmarkt zu gewinnen. Und das kann nur gelingen, wenn wir die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter verbessern. Insofern ist Familienfreundlichkeit wirksame Wachstumsvorsorge.


Redaktion: Wie familienfreundlich ist das Saarland denn bereits?
Krenn: Es gibt unübersehbare Fortschritte – mehr Plätze in Kindertagesstätten und mehr Ganztagsschulen etwa. Auch die Arbeitswelt ist familienfreundlicher geworden. Viele Unternehmen unterstützen junge Mütter und Väter aber auch Mitarbeiter, die Angehörige pflegen, bereits ganz gezielt. Die Wettbewerbe „Unternehmen Familie“ 2010 und 2012 lieferten dafür viele gute Beispiele. Eindrucksvoll ist auch, was jene 75 Unternehmen leisten, denen wir im Dezember gemeinsam mit der Landesregierung das Gütesiegel „Familienfreundliches Unternehmen“ verliehen haben. Impulse gibt seit mehreren Jahren auch die gemeinsam von Land und Wirtschaft getragene Servicestelle „Arbeiten und Leben im Saarland“. Sie unterstützt Unternehmen mit Rat und Tat, noch familienfreundlicher zu werden. Kurzum: Die Tendenz ist positiv. Wir sind auf einem guten Weg, aber längst noch nicht am Ziel. Unser gemeinsames Ziel muss es sein, das Saarland zum Pionierland in Sachen Familienfreundlichkeit zu machen, denn dies hilft auch dem bundesweiten Image unseres Landes.

 

Redaktion: Was heißt das konkret? Was müssen Wirtschaft und Politik tun?
Krenn: Es heißt, dass wir auf allen Ebenen familienorientiert handeln müssen. Staat und Wirtschaft sind gleichermaßen gefordert: Mehr Betreuungsangebote, eine größere Flexibilität bei den Betreuungszeiten und mehr qualifiziertes Personal in Ganztags-Kindergärten und Krippen, mehr echte Ganztagsschulen sowie leistungsfähige Einrichtungen und Dienste zur Betreuung pflegebedürftiger älterer Menschen lauten die Stichworte. Zum anderen muss auch die Arbeitswelt selbst noch familienfreundlicher werden. Viele Unternehmen haben das bereits erkannt. Um hier zusätzliche Impulse zu geben, stellt unsere IHK Mittel für den weiteren Ausbau der Servicestelle bereit. All dies sind wichtige Investitionen in die Zukunftsfähigkeit unseres Landes, die sich auszahlen werden.

 

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