Arbeiten vom heimischen Schreibtisch aus

Ein Home Office ermöglicht einigen Angestellten der Ottweiler Druckerei, Beruf und Familie zu vereinbaren

In einer vierteiligen Serie beleuchtet die SZ Facetten der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Im zweiten Teil geht es um familienfreundliche Arbeitsmodelle: Bei der Ottweiler Druckerei können Angestellte mit Kindern zum Teil von zu Hause aus arbeiten.

 

Von SZ-Redaktionsmitglied Gerrit Dauelsberg

 

Ottweiler. Es sei nicht immer der bequemste Weg, ein familienfreundlicher Arbeitgeber zu sein. Das gibt Petra Krenn unumwunden zu. Doch die Geschäftsführerin der Ottweiler Druckerei ist sich sicher: Am Ende rechnet sich eine solche Personalpolitik für alle Beteiligten. Und so versuchen sie und ihr Unternehmen seit Jahren, ihren Mitarbeitern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern. Ein Beispiel: Zehn der 140 Beschäftigten arbeiten derzeit zum Teil von zu Hause aus – mit Hilfe eines so genannten „Home Office“.

 

Zu diesen Mitarbeitern gehört auch Kathrin Corpataux, die Assistentin von Krenn. Seit der Geburt ihrer ältesten Tochter Lilly vor zwei Jahren ist Corpataux nur etwa zehn Stunden in der Woche an ihrem eigentlichen Arbeitsplatz anwesend. Den Großteil ihrer Arbeit erledigt sie daheim am Schreibtisch. Nebenbei kümmert sie sich um ihre beiden Kinder.

 

„Ich bin immer dann in der Firma, wenn die Chefin mich vor Ort braucht“, sagt Corpataux. Wann genau das der Fall ist, müssen die beiden in jeder Woche neu absprechen. Ein Höchstmaß an Flexibilität ist gefragt – von beiden Seiten. Corpataux muss sich für die Präsenzzeit in der Firma um Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder kümmern, Krenn muss ihren Terminkalender ein Stück weit auf ihre Assistentin abstimmen. Beide nehmen diesen Mehraufwand gern in Kauf: „Ich liebe meine Kinder, aber ich liebe auch meinen Beruf“, sagt Corpataux. Wäre kein Home Office möglich, müsste sie ihre berufliche Laufbahn wohl unterbrechen. Doch ihre Chefin sagt: „Wenn einem etwas an seinen Mitarbeitern liegt, ist so viel Flexibilität möglich.“ Am Ende rechne sich das auch für das Unternehmen. „Man hat hoch motivierte Angestellte, ein gutes Arbeitsklima und kann gute Leute besser halten“, sagt Krenn.

 

Das zeigt: Familienfreundlichkeit ist auch ein betriebswirtschaftlicher Faktor. Experten verweisen in diesem Zusammenhang auf den demografischen Faktor und den Fachkräftemangel. Der Tenor: Unternehmen können es sich oft nicht mehr erlauben, dass sich gut ausgebildete Fachkräfte gegen den Beruf entscheiden müssen. Das Home-Office-Modell sei insofern eine sinnvolle Einrichtung, sagt auch Brigitte Kugler-Kiehnle, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt bei der Agentur für Arbeit im Saarland: „Das Modell ist für viele Arbeitnehmer die ideale Lösung, die verstärkt angeboten und genutzt werden sollte.“ Allerdings erfordere diese Arbeitsweise viel Disziplin, sagt Kugler-Kiehnle. So müsse man sich zu Hause den Kindern und dem Partner gegenüber Freiräume schaffen, in denen man sich auf die Arbeit konzentrieren könne.

 

Kathrin Corpataux bekommt diese Gratwanderung zwischen Beruf und Familie nach eigener Auskunft gut hin: Ihre ältere Tochter habe sich schon daran gewöhnt, dass die Mama sich ab und zu auf die Arbeit konzentrieren müsse. Dennoch sei effektives Arbeiten daheim schwieriger als in der Firma. Deshalb will Corpataux auch wieder von ihrem eigentlichen Arbeitsplatz aus arbeiten, wenn die Kinder älter sind. Doch bis das soweit ist, möchte die Angestellte weiterhin die Möglichkeit des Home Office nutzen.

 

Die Geschäftsführerin betont auch: „Nicht in jedem Job ist ein Home-Office möglich.“ Deshalb müsse man sich für jeden einzelnen Fall eine individuelle Lösung überlegen. So arbeite die Ottweiler Druckerei zum Beispiel auch mit flexiblen Arbeitszeitmodellen. Dazu komme viel Verständnis im Arbeitsalltag: „Wenn die Angestellten ihr Kind mal mit zur Arbeit bringen, ist das kein Problem“, sagt Krenn.

 

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